Pressearchiv

07.02.2007

Geflügel wird deutlich teurer

Paul-Heinz Wesjohann befürchtet Preissteigerungen in den nächsten zehn Jahren „von bis zu 40 Prozent“ / Grund: Zunehmende Verwendung von Futtermitteln für die Herstellung von Bio-Energie/ PHW-Gruppe steigert Umsatz um 0,5 Prozent auf 1,27 Mrd. Euro / Wiesenhof erweitert Bio-Sortiment / Knapp 70 Mio. Euro Investitionen / Biokraftstoff aus Geflügelöl

Rechterfeld, den 7. Februar 2007. In einem der schwierigsten Geschäftsjahre der vergangenen Jahre setzte die PHW-Gruppe (Rechterfeld) ihre erfolgreiche Entwicklung fort. Nach einem Rekordwachstum im Vorjahr verzeichnete die Unternehmensgruppe im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/2006 (30.06.) einen konsolidierten und um Innenumsätze bereinigten Gesamtumsatz von 1,27 Mrd. Euro (Vorjahr: 1,26 Mrd. Euro). Das entspricht einem Plus von 0,5 Prozent.

Die Avian influenza („Vogelgrippe“) sorgte im Frühjahr 2006 für weltweite Turbulenzen auf den Geflügelmärkten, massiven Absatzeinbrüchen auch in Deutschland und – bedingt durch Überkapazitäten – einem starken Preisverfall bei Geflügelfleisch. „Wiesenhof“, die führende deutsche Geflügelmarke, konnte sich in diesem extremen Wettbewerbsumfeld deutlich besser behaupten als Wettbewerber. Der Umsatz des Geschäftsfeldes „Wiesenhof Geflügel-spezialitäten“ sank um 2,6 Prozent auf 766 Mio. Euro (Vorjahr: 786 Mio. Euro).

Der Bereich Humanernährung und -gesundheit setzte seine positive Entwicklung aus dem Vorjahr fort und steigerte seinen Umsatz um 7,8 Prozent auf 71,8 Mio. Euro (Geschäftsjahr 2004/2005: 66,6 Mio. Euro). Das Geschäftsfeld Tierernährung und -gesundheit verzeichnete ein leichtes Umsatzplus von 0,3 Prozent auf 304,6 Mio. Euro. Die weiteren Umsätze der PHW-Gruppe entfallen auf den der Marke „Wiesenhof” vorgelagerten Bereich „Vermehrung und Aufzucht“ (Umsatzzuwachs von 4,7 Prozent auf 60,6 Mio. Euro). Die Beschäftigtenzahl erhöhte sich wie schon im Vorjahr deutlich und stieg von 3.986 Mitarbeitern auf 4.228 Mitarbeiter. Ein Großteil des Zugewinns resultiert aus der Konsolidierung der polnischen Tochtergesellschaft Bomadek. Allerdings schuf die PHW-Gruppe auch an deutschen Standorten – unter anderem bei der Nutrilo Gesellschaft für Lebensmitteltechnologie mbH (Nutrilo) in Cuxhaven und an ostdeutschen Standorten der Wiesenhof Entenspezialitäten GmbH & Co. KG in Neutrebbin/Brandenburg – zusätzliche Arbeitsplätze. Mit knapp 70 Mio. Euro stieg das Investitionsvolumen des niedersächsischen Unternehmens auf ein Rekordniveau. Im Vorjahr hatte die PHW-Gruppe Investitionen in Höhe von 52,4 Mio. Euro getätigt.

„Wiesenhof“ weitet Bio-Sortiment aus

Das über Jahre aufgebaute kompromisslose Herkunfts-, Qualitäts- und Sicherheitskonzept der Marke Wiesenhof und das damit verbundene Qualitätsversprechen war auch im „Krisenjahr 2006“ Garant für die stabile Entwicklung. Das Vertrauen der Konsumenten in die Marke Wiesenhof sorgte für deutlich bessere Absatzzahlen im Vergleich zu „No name“-Produkten. Paul-Heinz Wesjohann: „Die Qualität der Marke Wiesenhof schützt uns auch vor Negativeffekten, die aus den jüngsten Branchenkrisen resultieren.“

Wiesenhof praktiziert sein geschlossenes Produktionssystem, das auch die Logistik und die Transporte zu den Handelspartnern umschließt, weiterhin mit rund 700 bäuerlichen Partnerbetrieben bzw. Erzeugergemeinschaften. Nach dem Prinzip „Alles aus einer Hand“ befinden sich sämtliche Produktionsstufen in Deutschland. Außerdem garantiert „Wiesenhof“ als einziger europäischer Anbieter nachweislich, dass das Futter aus eigenen Mühlen kein genverändertes Soja enthält und zudem salmonellenfrei erzeugt wird.

Mit einem geschätzten Pro-Kopf-Verbrauch von 17 Kilogramm gegenüber 17,7 Kilogramm im Vorjahr bleibt der Beliebtheitsgrad von Geflügelfleisch trotz der zwischenzeitlichen Branchenkrise sehr stabil. Auch aufgrund der starken Nachfrage nach Geflügelfleisch im zweiten Kalenderhalbjahr plant Wiesenhof die Erweiterung des Bio-Sortiments um Teilstücke vom Bio-Hähnchen sowie erstmals auch von der Bio-Pute. Bereits Anfang 2002 hatte das Unternehmen sein Angebot um Bio-Hähnchen nach EU-Öko-Verordnung ergänzt: Die bewährte Qualitäts- und Herkunftsgarantie von Wiesenhof gilt selbstverständlich auch für das gesamte Bio-Sortiment. Paul-Heinz Wesjohann: „Wiesenhof ist aufgrund seiner, beim Verbraucher anerkannten Qualitäts- und Produktphilosophie in der Lage von konventionell erzeugten Produkten bis hin zu Bioprodukten unterschiedliche Segmente zu bedienen. An der durch den Handel forcierten positiven Entwicklung von Bioprodukten wollen wir als Marktführer partizipieren.“ Für den langfristigen Erfolg eines Bio-Sortiments im Geflügelbereich gelte wie schon bei anderen Bio-Segmenten, so Wesjohann, dass ausreichend ökologisch erzeugte Futtermittel vorhanden seien.

Die Wachstumserwartungen an das im vorletzten Berichtsjahr hinzugekommene Entengeschäft haben sich bei Wiesenhof 2005/2006 erfüllt: Die unter dem Dach der Wiesenhof Entenspezialitäten GmbH & Co. KG zusammengefassten Gesellschaften, darunter ein im Berichtsjahr übernommener Schlachtbetrieb in Neutrebbin, erzielten im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits einen Umsatz in Höhe von 70 Mio. Euro. Auch bei Entenprodukten erfüllt „Wiesenhof“ das Prinzip „Alles aus einer Hand.“

Investitionsvolumen deutlich über dem Vorjahr

Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte die PHW-Gruppe knapp 70 Mio. Euro in seine Betriebe und Anlagen. Damit wurde das Investitionsvolumen des Vorjahres (52,4 Mio. Euro) deutlich übertroffen. Größte Investitionsprojekte waren der Neubau einer hochmodernen Brüterei in Rechterfeld, der Erwerb der Entenschlachterei in Neutrebbin sowie Kapazitätserweiterungen durch den Erwerb und die Umrüstung von Farmanlagen und umfangreiche Modernisierungen in den Schlacht- und Verarbeitungsbetrieben. In Cuxhaven stand die Vergrößerung der Produktions- und Lagerkapazitäten bei Nutrilo und der Bau eines neuen Sozialtraktes im Vordergrund.

Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand der Unternehmensgruppe stieg im vergangenen Geschäftsjahr von 9,6 auf 10,3 Mio. Euro leicht an. Er umschloss im Wesentlichen die Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen sowie Futterzusatzstoffen bei der Lohmann Animal Health GmbH & Co. KG (LAH) und neuer Arzneimittel bei TAD Pharma GmbH (beide Cuxhaven).

Geschäftsfeld Tierernährung und -gesundheit: Erfolgreiches Auslandsgeschäft bei LAH

Die dem PHW–Bereich Tierernährung und -gesundheit zuzurechnende LAH steigerte ihren Umsatz um 8 Prozent auf 142,7 Mio. Euro (Vorjahr: 131,9 Mio Euro), wobei allein 109,6 Mio. Euro in der Sparte Futteradditive realisiert wurden. Der Umsatz im Segment Geflügelimpfstoffe stieg im Berichtsjahr um 16,8 Prozent auf 27,8 Mio. Euro. Dies wurde vor allem durch erfolgreiche Produkteinführungen in Polen und Spanien sowie durch einen Anstieg der Verkaufszahlen im asiatischen und europäischen Raum erreicht.

Die PHW–Gesellschaft MEGA Tierernährung GmbH & Co. KG steigerte im abgelaufenen Geschäftsjahr die Produktion ihrer Fertigware um 5,2 Prozent und verzeichnete in diesem Bereich einen leichten Umsatzzuwachs. Insgesamt musste MEGA aber bedingt durch geringere Aktivitäten im Handelsgeschäft mit Rohwaren Einbußen hinnehmen, so dass sich der Gesamtumsatz insgesamt um 6,1 Prozent von 168,2 Mio. Euro auf 158,0 Mio. Euro reduzierte.

Geschäftsfeld Humanernährung und -gesundheit: Nutrilo und TAD Pharma weiter erfolgreich

Die auf die Herstellung von Vitaminmischungen für die Lebensmittelindustrie spezialisierte Nutrilo verzeichnet weitere Umsatzzuwächse. Der Gesamtumsatz des Unternehmens stieg im Berichtsjahr um 9 Prozent, von 18,4 Mio. Euro auf 20,0 Mio. Euro. Auch TAD Pharma entwickelt sich weiter positiv. Das zur PHW–Gruppe zählende Generikaunternehmen erhöhte seinen Umsatz von 48,3 Mio. Euro auf 51,8 Mio. Euro, was einem Plus von 7,3 Prozent entspricht. Der höhere Absatz von Medikamenten aus dem bestehenden Sortiment sowie insgesamt 12 Neueinführungen von Produkten waren die Hauptgründe für dieses Wachstum.

Umweltschutz: PHW–Gruppe setzt auf Biokraftstoff aus Geflügelöl

Einen Beitrag zum Umweltschutz leistet die PHW–Gruppe durch die Umrüstung ihrer LKW-Flotte auf umweltfreundliche Biokraftstoffe. Verantwortlich hierfür zeichnet die Diepholzer PHW-Tochtergesellschaft GePro, die einen Kraftstoff auf Basis von Geflügelfetten entwickelte. Heute fahren bereits 250 LKW der PHW-Flotte und regionale Spediteure mit der umweltschonenden Spritvariante. Zum Ende des Jahres 2007 werden es 450 LKW sein. Die Geflügelfette werden mit Hilfe einer physikalischen Raffination zu einem reinen und rückstandsfreien Geflügelölvollraffinat veredelt.

Geflügel: PHW-Gruppe rechnet mit deutlichen Preissteigerungen

Für die Zukunft erwartet Paul-Heinz Wesjohann für Geflügel "eine deutliche Preissteigerung“, die „in den nächsten zehn Jahren durchaus 40 Prozent betragen kann“. Grund dafür sei die weltweite Verknappung von Getreidemengen und die verschärfte Konkurrenzsituation zwischen der Bioenergieerzeugung und Nahrungsmittelindustrie durch die zunehmende Verwendung von Futtermittel für die Erzeugung von Bio-Kraftstoff. Wesjohann: „Die Energie frisst die Nahrung.“ So seien die Getreidepreise bereits über 50 Prozent gestiegen. Raps, Mais oder Weizen, die neben den Ställen angebaut würden, landen – so Wesjohann – „in den Tanks als Beimischung für Dieseltreibstoff“, das Unternehmen müsse stattdessen inzwischen Mais aus Ungarn importieren.